Bäckerinnung Miltenberg

...mit Laib und Seele

Brot und Geschichte

Die Geschichte der Bäckerinnung Miltenberg


Zunftordnung 1701

Zunftordnung 1701

Zunftordnung des Bäckerhandwerks vom Jahre 1701, ausgestellt von Erzbischof Lothar Franz zu Mainz (Pergamenturkunde im Stadtarchiv Miltenberg):
"Wir Lothar Frantz von Gottes Gnaden des Heyl.Stuhls zue Maintz Erzbischoff des Heyl.Röm Reichs durch Germanien Ertzcantzler und Churfürst, Bischoff zu Bamberg, Urkhunden und Bekennen hiermit:
Demnach unß unßere Burger, die Meister der Beckher und Metzger Handwerckhs in unßerer Statt Milttenberg underthänigst gebetten, damit sie gleich anderen in unßerem Erzstifft wohnende zünfftigen Meistern in gueter Ordnung Handwerckhs gebrauch nach leben, auch ihre Söhn und Lehrjungen in der Frembde ohne Hindernuß passirt werden mögten…."



 

zum Ochsen

die Bäckerzunft hielt ihre Zunfttage im Gasthaus zum Ochsen (heute Sparkasse Miltenberg), wo auch das Stubenzeichen der Bäckerzunft hing. 

Bei offener Lade wurden dann alle Angelegenheiten der Bäckerzunft, wie Lehrlingswesen, Aufnahme von Meistern in die Zunft, sowie auch Streitigkeiten besprochen und beschlossen.
Anwesenheit war Pflicht.

Im alten Miltenberger Zunftbuch lesen wir:
"Aktum Miltenberg 21ten März 1793.
Wurde an heut nach geendigtem Gottesdienst der gewöhnliche Jahr- und Zunfttag gehalten, und die Rechnung abgehört und die gewesenen beiden Zunftmeister entlassen, und anstatt derer zwei andere gewehlet, als von den Bäckern Fridrig Bauer Junior (Vorfahre der Bäckerei Hench) und von den Metzgern Karl Ruppert…"

Miltenberger Zunftbuch



Grabstein am Laurentiusfriedhof:


Grabstein am Laurentiusfriedhof:

Auch im Tode begleiteten die Zunftbrüder ihre Berufszeichen, wie hier in Miltenberg auf dem ehrwürdigen Miltenberger Laurentiusfriedhof auf dem Grabstein des:
"…ehrsam Urich Ulrich, Becker und Burger alhie Anno 1632…"

Abgebildet in einer Kartusche eine Brezel, das Zeichen der Bäcker, und ein "Bubeschenkel", ein Gebildebrot, das die Kinder zu Neujahr bekamen

Alte Miltenberger Bäckerfahne:

Verwandte Berufe hatten gemeinsame Berufszeichen. Wie schon bei dem Stubenzeichen so ist auch bei der Miltenberger Bäckerfahne der Berufsstand der Müller mit einbezogen. Unter der bekrönten Brezel ist das Kammrad der Müller, sowie die Müllerbille, ein Hammer mit dem die Mühlsteine geschärft wurden. 

Bäckerfahne


Bäckerfahne


Die Bäckerfahne war Ehrenzeichen des ganzen Berufsstandes und wurde zu weltlichen und kirchlichen Festen von den Bäckern mitgetragen. Ebenso beim Begräbnis eines Zunftbruders. 

Diese alte Bäckerfahne stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. 

Feuerrechte 1800

Laut Amtskellereirechnung von 1800 der Stadt Miltenberg erteilte Feuerrechte der Bäcker in der Stadt. Um die Stadt vor Feuersbrunst zu schützen, wurden die Feuerstätten der Backöfen von der Obrigkeit strengstens kontrolliert.
So erfahren wir, daß um 1800 in der Stadt Miltenberg 20 Bäckereien waren. 

Feuerrechte 1800


Handwerksauskunft der Bäckerzunft Klingenberg:

"Wir Geschwohrene Zunft- und andere Meister des löblichen Handwerks deren Bäcker in dem Kurfürstl. Mainzischen Städtchen Klingenberg bescheinigen hiermit, daß gegenwärtiger Gesell Namens Josebh Kempf von Klingenberg gebürtig, so 25 Jahre alt; und von Statur mitler auch blonde von Haaren ist bey uns allhier ½ Jahr in Arbeit gestanden, und sich in solcher Zeit treu, fleißig, friedsam und ehrlich, wie einem jeglichen Handwerks=Gesellen gebühret verhalten hat; Welches wir also bezeugen, und deßhalben unsere sämtlichen Mit=Meistere diesen Gesellen nach Handwerksgebrauch überall zu fördern geziemend ersuchen wollen. So geschehen unter unserem gewöhnlichen Zunft=Insigill

Klingenberg den 2ten July 1802
Zunftmeister: Franz Geiger
Jörg Vorngreuter
 Meister wo obiger Gesell in Arbeit stand:
Johannes Hayn" 

Solch eine "Handwerksauskunft" brauchte ein Bäckergeselle um auf seiner Wanderschaft bei zünftigen Meistern aufgenommen zu werden.

Handwerkskundschaft

Handwerkskundschaft

Zunftstempel

…auf der Rückseite Vermerk und Zunftstempel aus Linz

Vermerk

Vermerk der Handwerkerherberge in Wien, mit Unterschrift vom „Herbergsvatter“



Lehrbrief

Lehrlingsausbildung und Abnahme der Gesellenprüfung waren von alters her eine der Hauptaufgaben der Bäcker-Zunft und -Innung.
Bis heute ist Ausbildung des Berufsnachwuchses durch geeignete Bäckermeister, sowie die Weiterbildung durch überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen wesentlicher Bestandteil der Innungsarbeit.
Die Prüfungsmeister nehmen nach dreijähriger Lehrzeit die Gesellenprüfung ab.
Nach bestandener Gesellenprüfung wird dann der Lehrling von seinen Pflichten während einer Feierstunde "freigesprochen" 

Zu Michaeli 1810 wollte man die Großheubacher Zuckerbäcker nicht mehr auf den hiesigen Jahrmärkten zulassen, weil die Miltenberger Bäcker nicht auf dem Kloster Engelberg Gebäck feil halten durften, dies wurde bis 1931 durchgeführt.
(Schirmer-Chronik)

1868
Den Zünften steht kein Recht mehr zu, andere von dem Betrieb eines Gewerbes auszuschließen:
In Bayern wird die Gewerbefreiheit eingeführt;
Die alte Ordnung der Zünfte hatte sich überlebt.
Die Berufstände organisieren sich in Vereinen.
In Miltenberg entsteht der Bäcker- und Müllerverein.

Kloster Engelberg



Gesamtinnung Miltenberg

Am 24.10.1884 bildete sich auf Anregung des Buchbinders Philipp Wirth in Miltenberg eine Gesamt-Innung, um das immer mehr in Rückgang gekommene Kleingewerbe wieder zu heben.
Statuten wurden am 16.12.1884 genehmigt.
Erster Vorstand war Messerschmied Adam Weihnacht und Tüncher Michael Reich. 

Christstollen bei Miltenberger Gewerbeausstellung 1884
Am 15.11.1884 wurde im Rahmen einer Gewerbeausstellung der Gesamtinnung zur Eröffnung der neuen Volksschule an der Mainstraße, wurden in Miltenberg erstmals zwei große Christstollen ausgestellt, die allgemeine Bewunderung fanden 

1919
wird in Miltenberg „Bäckerinnung Bezirk Miltenberg“ gegründet
1. Vorsitzender ist Wilhelm König 

In der Mitgliederversammlung vom 5.7.1921 wurde beschlossen, dem Frankenverband des „Zentralverbandes Deutscher Bäckerinnungen Germania“ beizutreten. 


Inflation!
Die Stadt Miltenberg druckt Geld!
18.11.1923, am Höhepunkt der Inflation kostete in Miltenberg das 4 Pfund-Brot 20 Milliarden Mark. Das sind 25 Goldpfennig für das Pfund Brot. 

Inflation

Gleichschaltung


Gleichschaltung der Bäckerinnung

Am 18. Juni 1933 fand im Hopfengarten eine außerordentliche Innungsversammlung statt zwecks Gleichschaltung der Bäckerinnung.
Obermeister Mittnacht eröffnete die Versammlung mit deutschem Gruß und gab bekannt, dass der gesamte Vorstand zurückgetreten sei um den neuen Kräften die Wege zu ebnen. 

Winterhilfsmarke

Innungsversammlung am 1.7.1934
Obermeister Mittnacht stellte fest, daß zwei Mitglieder wegen Versäumens der Versammlung mit 10 M Strafe belegt wurden.

Es wurden 40 000 Winterhilfsmarken verteilt, welch auf das Brot aufgeklebt werden sollen, sowie für jeden ein Plakat mit der Aufschrift:
"Kauft nur Brot mit der Winter-Hilfsmarke" 
  

Winterhilfe


CDU 1949


Die erste Innungsversammlung nach dem furchrtbaren Kriege fand im Gasthaus Hopfengarten statt. Sie wurde eröffnet mit dem alten Handwerksgruß: "Gott segne das ehrbare Handwerk"

Die Versorgung der Bevölkerung mit gutem Brot war für die Bäckermeister erstes Gebot.
Der Brotpreis wurde auf 38 Pfennig das Kilo festgesetzt. 

1949 wurden in der Innungsversammlung einheitliche Sätze zur Lehrlingsvergütung beschlossen. Bei voller Kost und Wohnung im Meisterhaus:
Im 1. Lehrjahr 1.- DM
Im 2. Lahrjahr 2.- DM
Im 3. Lehrjahr 3.- DM
Der Obermeister bat die Kollegen, sich alle an die Festsetzung zu halten. 

1969 installiert die Bäckerinnung in der Kreisberufsschule für ihre Lehrlinge eine Lehrbackstube. Der praktische Unterricht wurde von den Bäckermeistern Klaus Hench und Theo Pfeifer erteilt. Das Bild zeigt die feierlich Eröffnung. 

    

1975 fusionierten die beiden Bäckerinnungen Miltenberg unter Obermeister Ludwig Hench und Obernburg unter Obermeister Erich Stappel zur „Bäcker-Innung Miltenberg“.
Obermeister der Gesamtinnung wird Erich Stappel.